betroffen.at

Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt

in Allgemein

Wir sind die erste und einzige unabhängige Anlaufstelle von Betroffenen für Betroffene kirchlicher Gewalt

Wir helfen Menschen die sexueller oder körperlicher Gewalt durch kirchliche MitarbeiterInnen ausgesetzt waren und sind. Weiters wollen wir der Vertuschung kirchlicher Einrichtungen entgegenwirken und die Bevölkerung über die Methoden der Täter und deren Auswirkungen aufklären, um unsere Kinder vor zukünftigen Übergriffen bestmöglich zu schützen.

  • Vertrauliche Anlaufstelle für Betroffene.
  • Erstberatung und Vermittlung von psychotherapeutscher Betreuung.
  • Vernetzung von Betroffenen.
  • Aufbau eines Dokumentationsarchivs.
  • Regelmäßige Veranstaltungen und Aktionen.
  • Aufklärung und Medienarbeit

 

Benediktinerabtei Michaelbeuern sperrte Internat zu

in Allgemein

Die Benediktinerabtei Michaelbeuern im Salzburger Flachgau wird im Herbst 2012 das seit 1963 existierende Bubeninternat der Privathauptschule auflassen.

Für das Schuljahr 2012 habe es keine einzige Anmeldung mehr gegeben, begründete Abt Johannes Perkmann in einer Aussendung die Entscheidung. Das Internat sei damit wirtschaftlich nicht mehr führbar. Im Gegenzug werde das Tagesheim der Privathauptschule, das gut ausgelastet sei, ausgebaut.

Keine einzige Neuanmeldung in Internat für den Herbst 2012

Derzeit sind etwa 25 Schüler im Internat untergebracht. Es gebe seit längerem eine sinkende Nachfrage für das Internat, sagte Perkmann zur APA. Das sei ein gesellschaftlicher Trend, den man seit Jahren beobachte. Das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in Heimen habe sicher einen zusätzlichen Beitrag dazu geleistet, dass das Interesse an Internatsplätzen gering sei. Seit Jahren gehe die Zahl der Anmeldungen zurück. Dass es allerdings keine einzige Neuanmeldung für den Herbst mehr gebe, habe ihn überrascht. Jene Schüler, die derzeit im Internat sind, könnten im Tagesheim aufgenommen werden, für die anderen werde mit den Eltern nach Alternativen gesucht, hieß es.

Michaelbeuern einziges Pflichtschulinternat für Buben

Wenn man glaubwürdig vermitteln könne, dass es klare Verhaltensregeln, Vertrauenslehrer und Präventionsarbeit gebe, sei das Vertrauen der Eltern gegeben: „Die Eltern schauen sich sehr genau an, wohin sie ihre Kinder geben.“ Michaelbeuern war das einzige Pflichtschulinternat für Buben in Salzburg. Von aktuellen Missbrauchsvorwürfen war das Internat nicht betroffen. Es habe im Jahr 1970 einen Fall gegeben, der damals zu einer Suspendierung und gerichtlichen Verurteilung geführt habe, sagte Perkmann. Die Privathauptschule der Benediktinerabtei wird derzeit von 300 Buben und Mädchen besucht, rund 70 Kinder sind im Tagesheim. In Zukunft werde man das Tagesheim ausbauen und dafür bisherige Internatsräumlichkeiten nützen, kündigte Perkmann an. Die Schule werde von externen Schülern aus der gesamten Region besucht.

1970 wurde der Täter nicht wegen Kindesmissbrauchs vom Landesgericht Salzburg verurteilt!

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Geistliche wegen Sexualverbrechen im Jahr 2026 in Amerika verhaftet und verurteilt

16.07.2026 MEXICO CITY, MEXICO — Die wenigen Informationen, die von den Behörden und religiösen Führern in Mexiko-Stadt veröffentlicht werden, erschweren es anderen potenziellen Opfern, sich zu melden.

16.07.2026 Ein Pastor aus Terre Haute wurde wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen angeklagt.

15.07.2026 Pastorin und Frau nach umfangreichen Ermittlungen wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs und Sexualverbrechen verhaftet

15.07.2026 Tacoma. WA – Sohn eines langjährigen Pastors aus Tacoma, der vor Jahrzehnten wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt wurde

15.07.2026 WILLIAMSVILLE, NY Ein Pastor aus Williamsville hat sich des sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig bekannt.

10.07.2026 EW ORLEANS, LA — Das Sheriffbüro von St. Tammany Parish unterstützte am Freitag (10. Juli) eine andere Strafverfolgungsbehörde bei der Festnahme des 72-jährigen David Mercer und der Durchsuchung eines Wohnhauses der First Baptist Church of Folsom.

In Österreich und EU haben diese kriminellen Geistlichen Menschen Schutz vor Strafe, Verurteilung, Verhaftung. Unsere Kinder werden nicht geschützt. Ihr Leben zerstört und unendliches Leid zugebracht. Danke Österreichische Demokratie und Staatsanwaltschaft sowie Gerichte!

Zahlungen des Erzbistums San Franzisko

in Medienberichte, Missbrauch, Pressemeldungen, Prozesse, USA, Vatikan

Der Konkursvertrag

Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt in San Francisco

SAN FRANCISCO, CA – Das Erzbistum San Francisco hat sich bereit erklärt, 395 Millionen US-Dollar zur Beilegung von über 500 Klagen wegen sexuellen Missbrauchs durch Geistliche zu zahlen. Die Summe ist enorm und für die Opfer längst überfällig. Sie ist aber auch das Ergebnis eines Rechtsmechanismus, der sich stillschweigend zu einem der wirksamsten institutionellen Schutzschilde der katholischen Kirche entwickelt hat. Das Insolvenzverfahren nach Chapter 11, das eigentlich Unternehmen in Notlagen bei der Sanierung helfen soll, regelt nun die Haftung von Ordensgemeinschaften, deren moralische Verfehlungen ihre Zahlungsbereitschaft oder -fähigkeit übersteigen.

Die am 29. Juni verkündete Einigung ist eine grundsätzliche Vereinbarung im Rahmen des Insolvenzverfahrens. Damit reiht sich das Erzbistum San Francisco in die lange Liste kalifornischer Diözesen ein, die ebenfalls Entschädigungen zahlen. Das Erzbistum Los Angeles zahlte 2024 880 Millionen US-Dollar an 1.353 Hinterbliebene. Das Bistum Oakland legte ein eigenes Hilfspaket in Höhe von 242 Millionen US-Dollar auf. Insgesamt haben katholische Diözesen in den Vereinigten Staaten Milliardenbeträge gezahlt. Das Geld ist real. Die Frage ist, ob es ausreicht – und ob das Verfahren, das diese Zahlungen ermöglicht, der Gerechtigkeit dient oder sie lediglich verwaltet.

Ein Insolvenzverfahren verändert die Anreize. Außergerichtlich kann ein Kläger, der im Geschworenenprozess obsiegt, Schadensersatz bis zu einer Höhe erhalten, die lediglich durch die von der Jury als angemessen erachteten lebenslangen Leidens begrenzt ist. Im Insolvenzverfahren werden die Forderungen zusammengefasst, priorisiert und aus einem begrenzten Topf beglichen. Der automatische Vollstreckungsstopp – eine Bestimmung, die laufende Gerichtsverfahren aussetzt – verschafft dem Schuldner Zeit und stärkt seine Verhandlungsposition. Hinterbliebene, die keinen Vergleich abschließen, riskieren, weniger zu erhalten, als ihnen vor einem staatlichen Gericht zugestanden hätte, oder im Falle unzureichenden Vermögens gar nichts. Dies ist keine rein theoretische Abwägung, sondern die Realität der Insolvenz.

Zweifellos ist das Insolvenzverfahren keine Erfindung der Kirche. Es handelt sich um einen neutralen Rechtsrahmen. Und für die Opfer kann es das bewirken, was jahrzehntelange Vertuschungen nicht vermochten: ein zentrales Forum schaffen, in dem Hunderte von Ansprüchen gemeinsam verhandelt werden – unter gerichtlicher Aufsicht und mit einer gewissen Zahlungsgarantie. Bevor das Insolvenzverfahren zum Standard wurde, weigerten sich viele Diözesen schlichtweg zu verhandeln und zwangen die Betroffenen so in kostspielige, jahrelange Einzelprozesse. Das Insolvenzverfahren, so unvollkommen es auch sein mag, erkennt zumindest das Ausmaß des Schadens an.

Das Problem besteht jedoch darin, dass eine strukturierte Insolvenz ein nicht quantifizierbares moralisches Unrecht in eine kontrollierbare Verbindlichkeit verwandelt. Das Erzbistum San Francisco beantragte Gläubigerschutz nach Chapter 11, anstatt direkt mit den Klägern vor einem staatlichen Gericht zu verhandeln. Im April letzten Jahres beantragte es sogar beim Insolvenzgericht die Aufhebung des automatischen Vollstreckungsstopps, damit zwei mutmaßliche Missbrauchsfälle vor Gericht verhandelt werden konnten – ein Schritt, der zwar Zuversicht signalisierte, aber auch den strategischen Einsatz von Gerichtsverfahren als Verhandlungsinstrument. Die Summe von 395 Millionen Dollar klärt die Angelegenheit. Sie setzt ihr aber auch die Obergrenze.

Die Anreizstruktur ist klar. Eine Diözese, die unbegrenzte Entschädigungszahlungen durch Geschworene fürchtet, hat ein starkes Interesse an einem Insolvenzantrag. Einmal im Verfahren, kontrolliert sie den Ablauf: den Zeitplan, die Offenlegung von Informationen, die Bewertung des Vermögens. Die Überlebenden hingegen sind verstreut, traumatisiert und oft arm. Sie werden aufgefordert, die Möglichkeit einer höheren Entschädigung gegen die Gewissheit einer geringeren einzutauschen. Die Kirche erhält Rechtssicherheit; die Opfer erhalten eine Entschädigung. Es ist ein Deal. Ob er gerecht ist, hängt davon ab, welche Seite vor der Insolvenzanmeldung die bessere Position hatte.

Bis 2025 wurden lediglich fünf Geistliche der Erzdiözese San Francisco wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt, die Strafen reichten von Bewährung bis zu acht Jahren Haft . Diese Zahl ist nur ein Bruchteil der Priester, deren Fehlverhalten in den derzeit beigelegten Klagen vorgeworfen wird. Die Diskrepanz zwischen zivilrechtlichen Einigungen und strafrechtlichen Verurteilungen ist in Missbrauchsfällen allgemein bekannt – die Beweislast ist vor Gericht höher, und jahrzehntealte Beweise überstehen einen Prozess selten. Dies bedeutet jedoch, dass die 395 Millionen Dollar trotz ihrer Höhe überwiegend eine zivilrechtliche Abrechnung darstellen und kein Schuldspruch sind.

Ein tieferliegendes Problem zeichnet sich ab. Bloomberg Law berichtete im April, dass Gläubiger in einigen Diözesen, frustriert über Verzögerungen und skeptisch gegenüber kirchlichen Vorschlägen, begonnen haben, eigene Sanierungspläne zu verfolgen . Das Muster ist vorhersehbar: Sobald der Schuldner die Bedingungen festlegt, wehren sich die Gläubiger. Diese Spannungen zeigen sich bereits in Kalifornien, wo die Betroffenengruppen selbstbewusster und besser finanziert auftreten.

Was sollte als Nächstes geschehen? Die unmittelbare Antwort lautet: Die Einigung in San Francisco sollte zügig gerichtlich bestätigt werden, und zwar unter Transparenz darüber, wie die 395 Millionen Dollar unter den Anspruchstellern aufgeteilt werden und welche Vermögenswerte für den laufenden Betrieb der Erzdiözese verbleiben. Die weitergehende Antwort ist jedoch struktureller Natur. Die Insolvenz sollte Institutionen, die tatsächlich zahlungsunfähig sind, weiterhin offenstehen. Sie sollte nicht die erste Wahl für Einrichtungen sein, die sie als Verhandlungstaktik nutzen, um ihre Haftung zu begrenzen. Die Bundesstaaten könnten diese Unterscheidung treffen, indem sie die Kriterien für die Beantragung eines Insolvenzverfahrens nach Chapter 11 für religiöse Einrichtungen verschärfen oder die Anwendung des automatischen Vollstreckungsstopps in Missbrauchsfällen einschränken.

Die Gefahr besteht nicht darin, dass das Geld nicht ausreicht. Für die Überlebenden von San Francisco bedeuten 395 Millionen Dollar die Entschädigung, auf die sie jahrzehntelang gewartet haben. Die Gefahr liegt vielmehr darin, dass ein Konkurs die Behandlung einer moralischen Katastrophe als bloßen Bilanzposten normalisiert. Er reduziert einen Skandal, der eigentlich Rechenschaftspflicht, Reformen und Transparenz erfordert hätte, auf eine bloße Position in der Bilanz. Die Institutionen der Kirche werden diese Krise überstehen. Sie haben schon viele überstanden. Die Bewährungsprobe wird sein, ob das Rechtssystem ihnen dies ermöglicht, ohne dass sie mehr zahlen müssen, als die reine Summe hergibt.

Bei Tarifstreitigkeiten zahlen die Verbraucher zuerst. Bei Insolvenzverfahren zahlen die Überlebenden zuletzt. Diese Opferreihenfolge sollte umgekehrt werden.

Lesen Sie den Originalartikel

Vorwürfe gegen Innsbrucker Generalvikar Roland Buemberger

in Allgemein, Vorarlberg

Der Generalvikar der Diözese Innsbruck, Roland Buemberger, wird seine Ämter und damit verbundenen Funktionen vorübergehend ruhen lassen. Hintergrund sind Vorwürfe gegen seine Person, deren Inhalt von der Diözese aufgrund eines laufenden kirchenrechtlichen Verfahrens nicht bekanntgegeben wurde.

Nach Angaben der Diözese stehen die Vorwürfe weder im Zusammenhang mit Buembergers Tätigkeit als Generalvikar noch mit seiner Amtsführung. Sie beziehen sich vielmehr auf einen Zeitraum vor seiner Ernennung zum Generalvikar und Regens. Auslöser war eine Meldung an die Ombudsstelle der Diözese. Bischof Hermann Glettler hat eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet, die vorgesehenen Verfahrensschritte laufen bereits. Strafrechtliche Vorwürfe gibt es nach aktuellem Stand nicht.

Buemberger weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. In einem Schreiben an die Mitarbeitenden der Diözese betont er, dass das Ruhen seiner Funktionen kein Schuldeingeständnis sei, sondern dazu dienen solle, die laufende Klärung unbeeinflusst zu ermöglichen.

Mehr auf derstandard.at

Null Toleranz

in Allgemein, EU/Ausland, Heimkinder, Medienberichte, Missbrauch, Österreich, Pedition, Politik, USA, Vatikan

Trotz sieben Jahrzehnten öffentlicher Enthüllungen über weit verbreiteten sexuellen Missbrauch gibt es in der katholischen Kirche immer noch kein universelles Gesetz, das vorschreibt, dass katholische Amtsträger, die Kinder oder schutzbedürftige Personen sexuell missbraucht haben, dauerhaft aus dem Dienst entfernt werden müssen. Ebenso wenig gibt es einen unabhängigen Mechanismus, um Bischöfe für die Vertuschung von Missbrauch zur Rechenschaft zu ziehen.

Als Reaktion darauf unterstützt SNAP, Betroffen.at, und  Victims Mission ein verbindliches, universelles „Null-Toleranz-Gesetz“ – eine klare, durchsetzbare Richtlinie, die die Entfernung missbräuchlicher Kleriker vorschreiben und Konsequenzen für diejenigen festlegen würde, die deren Verbrechen verheimlichen. Die Grundsätze dieser Richtlinie, die in Zusammenarbeit mit Ending Clergy Abuse (ECA) und BishopAccountability.Org entwickelt wurden, wurden öffentlich von den UN-Konventionen über die Rechte des Kindes (CRC) und gegen Folter (CAT) unterstützt und durch zahlreiche zivile Untersuchungen weltweit bekräftigt.

Doch trotz breit angelegter Interessenvertretung und internationalem Druck hat sich Papst Leo geweigert, dieses Gesetz in Kraft zu setzen. SNAP, Betroffen.at, und  Victims Mission fordert den Vatikan auf, diese Richtlinie unverzüglich zu verabschieden – damit Null Toleranz nicht nur ein „Bestreben“ oder ein „Ansatz“ bleibt, sondern zum offiziellen Gesetz der katholischen Kirche wird.

Was bedeutet Null Toleranz?

  • Jeder Priester, jede Nonne, jeder Ordensangehörige oder jeder Laienverantwortliche, bei dem festgestellt wurde, dass er ein Kind oder eine schutzbedürftige Person missbraucht hat, muss sofort und dauerhaft aus dem Dienst entfernt werden.
  • Das Kirchenrecht muss sexuellen Missbrauch klar als eine Verletzung des Lebens, der Würde und der Freiheit des Opfers definieren, anstatt als einen Verstoß gegen das sechste Gebot.
  • Es muss eine unabhängige Kontrollbehörde geschaffen werden, um Personen in kirchlichen Führungspositionen, die für die Ermöglichung und Vertuschung von Missbrauch verantwortlich sind, zu untersuchen, zu dokumentieren und öffentlich zu benennen.
  • Die Ergebnisse und Berichte von Untersuchungen müssen öffentlich gemacht werden.
  • Kirchliche Amtsträger, die Missbrauch ermöglicht oder vertuscht haben, müssen mit Sanktionen rechnen, die je nach Fall die Amtsenthebung, den Entzug ihres Titels und die Entfernung aus dem Dienst umfassen.

Schließen Sie sich der globalen Bewegung für Null Toleranz bei Missbrauch und Vertuschung an.

Gemeldete Missbrauchsfälle der katholischen Kirche in Österreich 2024

in Missbrauch, Österreich

Basierend auf den verfügbaren Informationen gibt es keine spezifischen Daten zu gemeldeten Missbrauchsfällen der katholischen Kirche in Österreich für das Jahr 2024. Allerdings können einige relevante Informationen zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche in Österreich zusammengefasst werden:

Maßnahmen und Strukturen

Die katholische Kirche in Österreich hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Missbrauchsfälle zu behandeln und zu verhindern:

  • Seit 2010 gibt es eine verbindliche Rahmenordnung mit dem Titel „Die Wahrheit wird euch frei machen“, die für alle österreichischen Diözesen und Ordensgemeinschaften gilt[2].
  • Diese Rahmenordnung wurde mehrfach überarbeitet, zuletzt im September 2021[2].
  • In jeder Diözese wurden Ombudsstellen eingerichtet, die als erste Anlaufstelle für Fragen und Vorkommnisse im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch und Gewalt im kirchlichen Raum dienen[2].
  • Zusätzlich gibt es in den Diözesen Stabstellen für Kinder- und Jugendschutz, die sich auf Prävention konzentrieren[2].

Gemeldete Fälle

Obwohl keine aktuellen Zahlen für 2024 vorliegen, gibt es einige Informationen zu gemeldeten Fällen:

  • Laut der Website der Ombudsstellen haben Betroffene insgesamt 8.047 Vorfälle gemeldet[6]. (Bitte beachten Sie, dass das genaue Datum dieser Statistik nicht angegeben ist.)

Allgemeine Entwicklungen

Die katholische Kirche steht weiterhin vor Herausforderungen im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen:

  • Die Austrittszahlen aus der katholischen Kirche sind in den letzten Jahren gestiegen, wobei 2022 ein Rekordhoch von 1,3 Millionen Kirchenaustritten erreicht wurde[3].
  • Andauernde Aufdeckungen von langjährigen Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen innerhalb der katholischen Kirche werden als Hauptgrund für diese Entwicklung genannt[3].
  • Es gibt Forderungen nach Reformen und strukturellen Veränderungen, auch in Bezug auf die Rolle der Frauen und queerer Menschen in der Kirche[3].

Die katholische Kirche in Österreich scheint sich bemüht zu haben, Strukturen zur Prävention und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zu schaffen. Dennoch bleibt das Thema aktuell und herausfordernd für die Institution.

Citations:
[1] https://www.kleinezeitung.at/international/18976585/erzdioezese-los-angeles-zahlt-880-millionen-dollar-an-missbrauchsopfer
[2] https://www.ombudsstellen.at
[3] https://www.zeit.de/thema/katholische-kirche
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_r%C3%B6misch-katholischen_Kirche_nach_L%C3%A4ndern
[5] https://www.derstandard.at/story/3000000241041/erzdioezese-los-angeles-zahlt-rekordsumme-an-missbrauchsopfer
[6] https://www.ombudsstellen.at/dioezesankommissionen
[7] https://www.opfer-schutz.at/Mainframe.html
[8] https://www.derstandard.at/story/3000000236830/papst-will-bu223akt-zu-missbrauch-am-beginn-der-weltsynode

Vater Unser

in Betroffene berichten, Heimkinder, Medienberichte, Missbrauch, Österreich, Polen, Pressemeldungen, Salzburg

– SEXUELLER MISSBRAUCH IN DER KATHOLISCHEN KIRCHE

SEXUELLER MISSBRAUCH, EXPLIZITE SCHILDERUNGEN

Vom Priester vergewaltigt, missbraucht, bedroht – und viel zu lange geschwiegen. Auch Jahrzehnte danach schockieren die brutalen Verbrechen der Gottesmänner. Eine Reportage über Kindesmissbrauch, Macht und Manipulation in der katholischen Kirche.

„Die Hosen runter, bis zu den Fersen. Hemd hochheben, so weit es ging, damit die Arme oben waren. Dann hat er einen Gürtel genommen und von den Kniekehlen bis über das Kreuz hoch zugeschlagen. Dann musste ich die Beine auseinandernehmen, und er hat auf die noch nicht reifen Geschlechtsteile geschlagen. Daher bin ich auch nicht zeugungsfähig“, erzählt der heute 67-jährige Klaus Oberndorfer. Er wurde in einem oberösterreichischen Stift in seiner Schulzeit in den Jahren 1963 bis 1967 von einem Priester (Name der Redaktion bekannt) sexuell missbraucht und vergewaltigt. Herr Oberndorfer lebt heute in Vöcklabruck, erklärt sich aber bereit, für das Gespräch mit mir nach Wien zu kommen. Ihm ist wichtig, dass Geschichten wie die seine nicht mehr totgeschwiegen werden, wie es jahrelang üblich war. Bei unserem Treffen spricht er ruhig, gefasst, und schreckt auch nicht davor zurück, in allen Details zu erzählen, was ihm widerfahren ist. „Es war dann meistens nach 22 Uhr, als er die schlafenden Jungen zu sich holte. Er hat sich per Post immer große Packungen Gleitgel zukommen lassen. Weil dann die Verletzungen nicht so groß waren, und dann, entschuldigen Sie den Ausdruck, konnte er uns auch nicht so arg „den Arsch aufreißen“. Klaus Oberndorfer war nicht das einzige Opfer: Über zwanzig seiner Internatsschüler, allesamt Jungen, hat der Pfarrer in dieser Zeit sexuell missbraucht. Geredet hat damals niemand darüber. Früher war es auch oft üblich, dass Täter einfach in eine andere Pfarre versetzt wurden. „Heute wird nicht mehr versetzt. Das passiert nicht mehr.“, erklärt Martina Greiner-Lebenbauer von der Stabsstelle für Missbrauchs- und Gewaltprävention der Erzdiözese Wien. Bis heute haben sich 2215 Betroffene an die Stabsstelle gewendet, die Fälle reichen von 1950 bis heute, darunter fällt auch beispielsweise Spiritueller Machtmissbrauch. Die Liste der Beschuldigten umfasst Priester, Erzieher, Ordensmänner und Ordensfrauen, sowie ehrenamtliche Mitarbeiter der katholischen Kirche. Diese Fälle wurden bei der Klasnic-Kommission, einer österreichweiten Opferschutzanwaltschaft, gemeldet und von der Kirche anerkannt. (Siehe Interview unten) Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein: Erstens sind es oft Taten, die verjährt sind, oder Täter, die bereits verstorben sind. Sexueller Missbrauch verjährt laut österreichischem Recht nach zwanzig Jahren. Aber viele Opfer trauten und trauen sich nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen – zu lange wurde diese Problematik seitens des Klerus verheimlicht und unter den Teppich gekehrt.

Der Fernsehraum des Internats

Erst Anfang 2019 hat Papst Franziskus einen Erlass mit neuen Regeln im Umgang mit Missbrauch veröffentlicht. Demnach sind alle Kleriker und Ordensleute verpflichtet, den kirchlichen Behörden „unverzüglich alle ihnen bekannt gewordenen Berichte über Missbrauch zu melden“. Sie müssen außerdem jeden Versuch anzeigen, die Tat zu vertuschen und den Täter zu decken. Nach Jahrzehnten, in denen sexueller Missbrauch in der Kirche verschwiegen und vertuscht wurde, bleibt das Thema aber trotz jüngster Bemühungen ein Tabuthema – vor allem auch unter den Opfern. Im Zuge meiner Recherche nehme ich Kontakt zu mehreren Betroffenen auf, die nach Telefonaten und E-Mail-Austausch doch nicht möchten, dass ihre Geschichte erzählt wird. Es sind oft schon erwachsene Menschen, die in Tränen ausbrechen – zu groß ist die Angst vor der Stigmatisierung. Nicht so bei Klaus Oberndorfer, der seine Leidensgeschichte zuletzt der Rechercheplattform Addendum anvertraute. Biber liegen über 300 Seiten Gerichtsdokumente aus dem Prozess von 1970 vor, in den Oberndorfer verwickelt war. In den Dokumenten sind die Zeugenaussagen der Opfer sowie die des Pfarrers genau dokumentiert. Oberndorfer erinnert sich: „Wir hatten einen Fernsehraum. Da saßen immer beim Fernsehen ein, zwei Kinder auf seinem Schoß und er hat mit den kleinen Penissen rumgespielt. Das haben alle gesehen, bis zu fünfzig Kinder“, sagt er mit ernster Miene. Das erste Mal, als der Priester ihn anfasste, war Klaus Oberndorfer elf Jahre alt.

„Wir kannten die Welt nicht. Wir waren kleine Kinder und dachten, wir werden bestraft, weil wir schlimm waren. Er hat uns ja immer Vorwürfe gemacht.“ Wenn das Bett zum Beispiel nicht ordentlich gemacht war, das Hemd nicht genauestens gefaltet, wussten die Jungen schon, was sie erwartet. Wer den strengen Regeln des Priesters nicht folgte, wurde verprügelt oder sexuell misshandelt. Die Schüler nahmen das alles so hin, sie dachten, sie wären selbst dafür verantwortlich. Bis irgendwann endlich einer der Jungen seinen Eltern von den Taten des Priesters erzählte. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung, bei der der Priester zu zwölf Monaten schweren Kerkers verurteilt wurde (Anm. d. Red.: Ein Raum, in dem eine Beton-Pritsche zum Schlafen stand und man nur Brot und Wasser bekam). Aber nicht aufgrund der Vergewaltigungen und des sexuellen Missbrauchs, der Hauptanklagepunkt lautete „Unzucht wider die Natur mit Personen desselben Geschlechts“. Homosexuelle Handlungen waren laut österreichischem Recht bis 1971 nämlich illegal.

So wurde auch Oberndorfer verurteilt – aus dem Opfer wurde er zum Täter gemacht. „Zwei Monate schweren Kerkers, bedingt. Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Da ich ja sexuelle Handlungen mit demselben Geschlecht vollzogen habe, wurde auch ich verurteilt.“ Die Strafe musste Oberndorfer nicht absitzen, da die Strafe auf Bewährung ausgesprochen wurde. „Ich solle einfach nichts Unzüchtiges mehr mit Männern machen“, hörte Oberndorfer bei seinem Urteil. Die psychischen und physischen Narben aber trägt der Mann bis heute. Sein Täter, ein mittlerweile sehr alter Mann, lebt noch. Nach seiner Haftentlassung bekam der Priester sogar noch eine Stelle an einem theologischen Institut einer Universität in Österreich – und arbeitete somit weiter mit jungen Menschen.

Ein Auszug aus dem Gerichtsprotokoll 1970/Bereitgestellt

Ein Auszug aus dem Gerichtsprotokoll 1970/Bereitgestellt

„Der Priester war ja ansonsten immer gut zu uns. Also hat das keiner hinterfragt.“

„Dass wir zwei jetzt einfach miteinander telefonieren und darüber sprechen, wäre in den 70ern undenkbar gewesen, Aleksandra“, erzählt mir der heute 57-jährige Klaus Fluch, der während seiner Schulzeit Anfang der 70er Jahre im österreichischen St. Gallen jahrelang von einem Priester missbraucht wurde. Herr Fluch und ich teilen unsere Kommunikation auf mehrere Telefonate und Sprachnachrichten auf. Es dauert aber nicht lange, bis eine gegenseitige Vertrauensbasis aufgebaut ist. „Ich habe ja lange nicht mal gewusst, dass das sexueller Missbrauch ist, was mir da geschieht. Dass die ersten Erfahrungen, die ich eigentlich hätte mit Mädchen machen sollen, mit einem viel älteren Priester waren.“ Auch er macht der katholischen Kirche Vorwürfe was den Umgang mit diesen Fällen betrifft. In der Kirche sei das Thema Macht und Machtmissbrauch seit Jahrhunderten präsent, es ist immer wieder dasselbe Muster. Wie in seinem Fall: Fluch stammte aus einer sozial schwachen Familie. „Genau solche Kinder wie mich hat sich der Pfarrer ausgesucht. Bei der Beichte fragte er mich genau über die Verhältnisse zuhause aus. Er wusste, dass er uns mit gutem Essen und der Aufmerksamkeit, die wir daheim nicht hatten, locken kann. Er wusste genau Bescheid, dass wir am angreifbarsten waren.“ Fluch war elf Jahre alt, als der Dorfpfarrer ihn und seinen gleichaltrigen Freund zum ersten Mal zu sich in den Pfarrhof einlud. Der Pfarrer war auch der Religionslehrer der beiden Jungen. Der Ablauf der „Besuche“ war immer gleich: In der Pfarrkanzlei stellte der Priester vor einen Schreibtisch zwei Stühle hin und begann, die Jungen über ihr Privatleben auszufragen. Er wollte wissen, „was mit den Mädels läuft“ und ob die beiden schon erste sexuelle Erfahrungen gemacht hatten. „Er erklärte uns, dass Kinder entstehen, wenn ein Schwanz in eine Möse kommt. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutet.“ Fluch vermutet heute, dass diese Gespräche den Priester sexuell erregt haben. „Nachdem er uns ausgefragt hatte, mussten wir die Hose bis zu den Knöcheln hinunterziehen. Dann ist das Licht vollständig ausgegangen.“ Der Pfarrer kroch unter dem Tisch durch und begann, die zwei Jungen mit der Hand zu befriedigen. „Er begann, uns Anweisungen zu geben, wie wir onanieren sollten. Ich wusste ja gar nicht, was das soll. Ich hatte ja damals noch nicht mal eine richtige Erektion.“  Er erinnert sich, dass ihm danach der Intimbereich tagelang wehgetan hat. Fluch war sich aufgrund seines geringen Alters und mangelnder sexueller Aufklärung nicht im Klaren, was hier passiert. Klar war nur eines: Sie dürften es niemandem erzählen, denn das wäre eine Todsünde und dann würden die beiden tot umfallen. Sie glaubten ihm. „Der Priester war ja ansonsten immer gut zu uns. Also hat das keiner hinterfragt.“ Er genoss sehr hohes Ansehen im Dorf, die Bewohner zeigten große Ehrfurcht vor ihm. Heute glaubt er, dass das eine riesige kollektive Angst war, die da mitspielte. „Der Pfarrer hat ja über 30 Jungen missbraucht. Es kann nicht sein, dass keiner davon wusste.“ Tatsächlich: Als Fluch und sein Freund einmal daheim davon erzählten, dass sie ihn oft besuchen würden, hieß es seitens der Eltern nur: „Gehts nicht zu dem. Der pudert euch in den Arsch, da rinnt’s euch die Suppn obe.“ Was das bedeutete, wusste Fluch damals auch nicht.

„Du Dreckschwein, halt die Goschn, du Kinderschänder.“

 „Ich war nur froh, dass ich nie eine ganze Nacht bei ihm verbringen musste. In unserer Gemeinde gab es einen taubstummen Jungen, der die Nächte manchmal beim Priester verbrachte und dabei jämmerlich geschrien hat. Der Priester hat uns erklärt, dass der Junge sich nachts alleine fürchtet und er deshalb bei ihm im Zimmer schlafen muss. Wir dachten nur, dass es gut sei, dass der Herr Pfarrer bei ihm schläft, er würde ihn schon trösten.“ Dass die gedämpften Schreie des Jungen davon kamen, dass er nächtelang vergewaltigt wurde, realisierte Fluch erst nach Jahren. Nach Jahrzehnten der Therapie und Aufarbeitung war es dann soweit: Fluch vertraute sich dem befreundeten Dorfarzt an und auf Drängen dessen kam es dann zu einem Gespräch zwischen Fluch, zu dem Zeitpunkt schon erwachsen, und seinem Täter, damals schon einem sehr alten Mann. Wieder in den Pfarrhof zu gehen, in dem ihm die Leidensgeschichte widerfahren ist, war sehr schwer. Der Pfarrer hat versucht, sich zu erklären. „Er meinte, dass, wenn man in einer lieben, guten Familie groß wird, dann wird man nicht pädophil.“ Der Pfarrer hätte in seiner Kindheit nie richtige Liebe erfahren, er war in einem katholischen Heim aufgewachsen, in dem Frauen immer schlechtgeredet wurden. Seinen kläglichen Erklärungsversuchen folgte eine Drohung, er würde sonst dafür sorgen, dass Fluch in ein Heim für psychisch Abnorme käme. Fluch solle solange der Priester lebt ja nicht mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit gehen. „Was du danach machst, ist mir wurscht, da kommt eh die Sintflut.“ Alles, was Fluch dem Pfarrer danach zu sagen hatte, war: „Du Dreckschwein, halt die Goschn, du Kinderschänder.“ Und er redete. Er ging mit seinem Fall an die Öffentlichkeit, allerdings wurde ihm zu dem Zeitpunkt erklärt, dass der Pfarrer bereits kürzlich verstorben war.  “Ob das stimmt, weiß ich bis heute nicht. Kann sein, dass sie es einfach nur vertuschen wollten.“  Sein Täter wurde nie bestraft. Wie es ihm heute geht? „Sehr gut. Sehr gut heißt für mich, dass ich nachts mittlerweile nicht mehr von dem Priester träume.“ Aber noch heute, wenn er einen Geistlichen sieht, stockt ihm der Atem. „Ich hoffe, dass Kirchen wie Burgen und Schlösser als Ruinen enden werden, auf die man nur mit einem weinenden Auge zurückblicken kann“, sagt er abschließend.

„Aber sag’s bloß keinem“

Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche sind ein weltweites Problem. Der oscar-gekrönte 2016 erschienene US-Film „Spotlight“ behandelt Enthüllungen eines von der Kirche vertuschten Missbrauchsskandals, der sich Ende der neunziger Jahre im Erzbistum Boston zugetragen hatte. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Die polnische Dokumentation „Sag’s bloß keinem“ (Pl. „Tylko nie mow nikomu“), die im Frühling dieses Jahres erschienen ist, deckt mit versteckter Kamera Fälle von Missbrauch durch polnische Priester auf – und wird von der polnischen Regierung und Kirche hart kritisiert. Die konfrontierten Täter, meist schon sehr alte Männer, versuchen mit „Dämonen“ und „dem Teufel“ ihre Taten zu Rechtfertigen. In Polen, wo die katholische Kirche den in Europa höchsten Stellenwert in der Gesellschaft hat, wird diese Thematik nach wie vor unter den Teppich gekehrt. So rät beispielsweise ein 2018 erschienenes Unterrichtsbuch, das bei dem polnischen katholischen Verlag „Wydawnictwo M“ erschienen ist, dass junge Mädchen bei sexueller Belästigung ihrem Täter nicht zeigen sollen, dass das Verhalten unpassend ist. Sie könnten ihn ja verärgern. Auch Miniröcke würden rechtfertigen, wenn sie belästigt oder gar missbraucht werden. „Ich kann nicht glauben, dass diese Scheiße heute noch gepredigt wird. Genau wegen dieser Denkweise ist mir das alles als Mädchen passiert.“ Die heute 32-jährige Polin Anna Zalewska* vergräbt die Hände in ihrem Gesicht, als sie mir gegenübersitzt. Ich bin nach fast zwanzig Jahren die erste Person außerhalb ihrer Familie, der sie ihre Leidensgeschichte anvertraut – unter der Bedingung, anonym zu bleiben. Jahrelang hat sie versucht, zu verdrängen, was ihr passiert ist. Zalewska war zwölf, als ihre Klasse einen neuen Religionslehrer bekam, Priester Bartlomiej*. „Er war jünger als die anderen Lehrer, er erzählte lustige Witze. Er hatte einen guten Draht zu uns Kindern“, erzählt die Frau mit einem traurigen Lächeln. In der kleinen polnischen Ortschaft, in der Zalewska aufwuchs, genoss der Priester Bartlomiej* auch unter den Erwachsenen ein hohes Ansehen. Dass er sie also aufforderte, nach der Schule mit ins Pfarrhaus zu kommen, war für sie damals eine Ehre. Es blieb nicht bei dem einen Treffen. Sie tauschten Handynummern aus, unter immer wieder neuen Vorwänden trafen sie sich in seinem Zimmer im Pfarrhaus. Bei jedem Mal wurde er etwas anzüglicher, lockerer und kam ihr immer näher. Bis ihr der damals 30-Jährige nach ein paar Wochen prompt gestand, dass er sich in sie verliebt hätte. „Und weißt du, wenn Erwachsene sich lieben, dann gibt es so Dinge, die sie miteinander machen. Aber es muss unter uns bleiben, ich möchte nicht, dass jemand eifersüchtig wird“, offenbarte er ihr. So kam es dazu, dass sie im Alter von zwölf Jahren zum ersten Mal mit ihm schlief. Sie erinnert sich noch gut an das hölzerne Kruzifix, das über seinem Sofa hing. Dem Sofa, auf dem sie mit ihm Sex hatte. „Ich hatte gar keine Ahnung, was wir da tun. Ich war ein Kind, es tat weh, es war unangenehm. Aber er hat mir immer wieder gesagt, wie besonders ich sei und wie sehr er mich liebte“, erzählt sie leise. „Dass er eigentlich als Priester dem Zölibat unterlag, wusste ich. Das Thema hatten wir sogar in der Woche davor mit ihm im Religionsunterricht behandelt.“

„Er sagte, sein Sperma sei wie die Eucharistie bei der Messe“

Er manipulierte sie aber derart, dass sie nichts hinterfragte. Er erklärte mir, wie ich ihm einen blasen soll, hat Dinge gesagt wie: „Mein Sperma ist so etwas wie die Liebe Gottes, wie die Eucharistie bei der Messe. So wichtig, wie das Vaterunser.“ Also tat sie es, und glaubte ihm. Das ist heute schwer vorstellbar, aber vor zwanzig Jahren in Polen genossen Priester eine derartige Anerkennung. „Sie wurden uns von klein auf als Übermenschen, als Gesandte Gottes dargestellt.“ Was er sagte, musste also stimmen. Die Affäre mit dem Priester ging über zwei Jahre. „Ich glaubte damals, in ihn verliebt zu sein. Aber das war meine allererste Erfahrung mit einem Mann, ich hatte davor nicht mal wen auf den Mund geküsst. Meine Freundinnen sprachen über erste Küsse, während ich schon Dinge getan hatte, die ich heute nicht einmal mit meinem Ehemann tue. Ich konnte und wollte also so oder so nicht mitreden“, sagt sie kopfschüttelnd. Am Montag saß sie bei ihm im Religionsunterricht, am Mittwoch hatte sie Sex mit ihm und am Sonntag ging sie zu ihm gemeinsam mit ihrer Familie in die Messe. Alles änderte sich, als Anna sich mit vierzehn in einen Jungen aus ihrer Parallelklasse verliebte. „Mit ihm hatte ich dann diese Dates auf der Parkbank, das Händchenhalten, die ganzen unschuldigen Dinge, die man in meinem Alter machen sollte. Nicht das, was ich mit dem Priester erlebt hatte…“. Priester Bartlomiej erfuhr davon und drohte ihr mit einer negativen Note, wenn sie nicht mit ihrem Freund schlussmachte. Erst da bekam Frau Zalewska wirklich Angst und erzählte alles ihrer Mutter. Daraufhin suchten die Eltern noch am selben Tag das Gespräch mit dem Pfarrer der Dorfkirche. „Sie wissen ja, wie Teenager-Mädchen so sind. Sie hat sich wahrscheinlich in ihn verliebt und hat jetzt Angst bekommen. Und wenn es so schlimm war, wozu ist sie dann immer wieder zu ihm hingegangen? Ich werde diesen Fall sicher nicht zur Anzeige bringen“, war alles, was der Pfarrer dazu zu sagen hatte. Also zeigten sie ihn selber an. „Dieses Gerichtsverfahren war lang, beängstigend und grauenhaft. Ich musste in allen Details erzählen, was mir widerfahren ist. Das Schlimmste war aber, dass die ganze Zeit über für ihn die Unschuldsvermutung galt. Und dass mir niemand von diesen alten, faltigen Männern oben auf der Richterbank so richtig glaubte. Der Priester hatte es so dargestellt, dass ich ihn damals verführt hatte. Ich war zum Zeitpunkt des Verfahrens ja selbst erst fünfzehn, irgendwann habe ich mich selbst gefragt, ob es vielleicht doch meine Schuld sei.“ Diese Schuldgefühle lassen sie auch bis heute nicht los.

„Er wurde nur in eine andere Pfarre verlegt und ist heute noch tätig“

Ihre Eltern standen hinter ihr, der Verteidiger des Priesters legte aber eine exzellente Show hin. “Alles, was wir damals geschafft hatten, war, dass Priester Bartlomiej verlegt wurde. In eine Pfarre 50 km von meinem Heimatort, und ein Verbot, mit Kindern zu arbeiten.“ Der Grund für die milde Strafe: Fehlende Beweise. Anna Zalewskas seitenlanges Geständnis sowie die anzüglichen SMS des Priesters an das Mädchen galten dabei nicht als solche. Es stand Aussage gegen Aussage. „Ich wollte das Ganze verdrängen. Aber ich habe jetzt eine kleine Tochter und als Mutter denkst du nochmal anders. Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn meinem Kind so etwas widerfahren würde. Soviel ich weiß, arbeitet dieses Arschloch aber heute trotz des Verbots noch mit Jugendlichen.“ Tatsächlich: Eine nicht allzu aufwändige Recherche ergibt, dass der Priester auch heute noch in seinem Amt tätig ist. In der Ortschaft, in die er verlegt wurde. Der letzte Eintrag der Homepage der Pfarre zeigt ihn lachend bei einem Sommerfest der Kirche, um ihn herum stehen Kinder.

INFOBOX: Wie wird das heute in Österreich gehandhabt?

„Heute ist das Bewusstsein viel höher“ – Diözesane Kommission

„Früher war es auch möglich, dass verurteilte Täter einfach in eine andere Pfarre versetzt wurden“, erzählt Matthias Theil von der Diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt. Heute ist diese Kommission dafür zuständig, Empfehlungen an den Bischof abzugeben, wie er mit Beschuldigten umgehen soll. Ein Versetzen wie früher sei daher nicht mehr möglich. In den letzten Jahren steige auch die Sensibilität der Menschen und es gebe einen Zuwachs an Meldungen über unkorrektes Verhalten, noch lange bevor etwas Schwerwiegendes passiert sei. Das Bewusstsein sei einfach größer geworden. „Heute traut sich eine 16-Jährige zu sagen, dass sexistische Witze oder unangenehme Nähe für sie nicht in Ordnung sind, und das auch zu melden. Vor dreißig Jahren hätte das nicht jeder ernstgenommen.“

„Im Zweifelsfall glauben wir dem Opfer“ – Interview mit Herwig Hösele, Klasnic Kommission

Die Klasnic Kommission ist eine Opferschutzanwaltschaft und ergreift und beschließt Maßnahmen und Initiativen –finanzielle und therapeutische – im Interesse von Betroffenen, die im Kindes- oder Jugendalter Opfer von Missbrauch oder Gewalt durch VertreterInnen und Einrichtungen der katholischen Kirche in Österreich geworden sind. Sie wurde 2010 von der ehemaligen Landeshauptfrau der Steiermark, Waltraud Klasnic, gegründet. Bis 20. Mai 2019 hat die Klasnic Kommission 2.107 positive Entscheidungen getroffen, das sind Leistungen im Wert von 28,720 Mio. €, die zuerkannt wurden:

Wie kann man sich die Arbeit der Kommission vorstellen?

Herwig Hösele: Die Betroffenen melden sich bei uns oder werden uns durch die Ombudsstellen vermittelt. Dann führen Psychologen Gespräche mit den Opfern durch. Auch wenn bei Gericht oder anderswo entschieden wird, dass der Täter meist mangels Beweise und Zeugen unschuldig ist, die Geschichte des Opfers aber plausibel erscheint, sind wir auf der Seite der Betroffenen. Natürlich prüfen wir nach, ob die Rahmeninformationen stimmen, wenn das der Fall ist, wird zugunsten des Opfers entschieden.

Die hoch sind die finanziellen Entschädigungen?

Die Opfer bekommen in der Regel von 5.000 € bis über 25.000 €, je nach Fall, wobei wir bewusst finanzielle Hilfeleistungen sagen, weil entschädigt kann das zugefügte Leid nicht werden.

Die meisten Fälle liegen Jahrzehnte zurück, wie sieht das heute aus?

Es ist besser geworden. Heute glaubt man den Kindern mehr. „Der Herr Pfarrer ist Autoritätsperson“ hieß es früher oftmals. Grundsätzlich ist Gewalt oft in geschlossenen Heimen und Internaten, die es heute nicht mehr gibt, an der Tagesordnung gewesen. Heute wird der Zölibat oft einfach anderswertig gebrochen, sprich die Geistlichen haben Affären mit Frauen.

Ist der Zölibat an sich das Problem?

Ich denke nicht. Ich denke, das Wesentliche ist die Ausbildung von Pädagogen und natürlich auch die Priesterausbildung. In vielen Priesterseminaren wurden früher einfach alle Bewerber genommen, weil der Nachwuchs einfach immer weniger wurde. Darunter fallen dann auch verhaltensauffällige Menschen. Mittlerweile ist die Aufnahme viel strenger geworden.

Sehenswert :

„Die Kinder lassen grüßen“

Ein beeindruckender Film der österreichischen Regisseurin Patricia Marchart, in dem Opfer sexuellen Missbrauchs seitens der katholischen Kirche gemeinsam mit ihr die Orte besuchen, an denen sie als Kinder missbraucht wurden. Zu sehen auf YOU Tube: https://www.youtube.com/watch?v=N-ncgDvASwk&t=8s&pp=ygUaZGllIGtpbmRlciBsYXNzZW4gZ3J1ZXNzZW4%3D

Humanist, Aufklärer, Kalenderforscher: Sepp Rothwangl ist tot 

in Pressemeldungen

Sepp Rothwangl
27.09.1950 – 18.01.2024

Sepp war viel. Großer und leidenschaftlicher Waldbauer im Mürztal. Aktivist für Säkularisierung. Zentraler Kämpfer für die Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle. Früh verlor er seinen Vater. Seine Mutter meinte es gut mit ihm und schickte ihn nach Graz in ein katholisches Internat. Eine Entscheidung, die das Leben von Sepp maßgeblich tangierte. Er wurde Opfer sexualisierter Gewalt durch einen Priester. Zeit seines Lebens blieb dies eine offene Wunde für ihn – die manchmal mehr, manchmal weniger blutete. 

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Erneut schwerwiegender Missbrauchsskandal in einer Abtei in der Westschweiz aufgedeckt

in Missbrauch, Schweiz


Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Radio Télévision Suisse (RTS) hat einen schwerwiegenden Missbrauchsskandal in der Augustiner-Chorherren-Abtei Saint-Maurice im Kanton Wallis, Schweiz, aufgedeckt. Neun Geistliche, darunter der ehemalige Abt Jean César Scarcella und sein Nachfolger Abt Roland Jaquenoud, werden mit sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht. Die Vorwürfe kamen im Zuge von Ermittlungen des Vatikans, die nach Anschuldigungen gegen Abt Scarcella eingeleitet wurden. Opferaussagen deuten darauf hin, dass der Missbrauch über einen langen Zeitraum stattfand. Sowohl Abt Scarcella als auch Abt Jaquenoud traten zurück, und ein Vertreter des Vatikans wird die Führung der Abtei übernehmen. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet, und Voruntersuchungen fanden im Kloster statt.

Ganzer Artikel auf humanisten.at

ART TV: Schweigen und Vertuschen – Die Todsünden der katholischen Kirche

in Belgien, Deutschland, Frankreich, Missbrauch, TV & Filme

Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit dem sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche und untersucht die staatliche „Beißhemmung“ und die systematische Vertuschungsstrategie der Kirche. Die Aufdeckung des Missbrauchs hat die Institution Kirche in eine tiefe Krise gestürzt, da immer neue Fälle bekannt werden und die Aufklärung und Entschädigungszahlungen schleppend vorangehen. In Frankreich allein werden über 300.000 Opfer gezählt. Der Staat schaut oft weg, wenn die Täter einen weißen Stehkragen tragen, und wird von einem Sozialpsychologen als „Staatsversagen“ bezeichnet. François Devaux, selbst ein Opfer, ist einer der porträtierten Aktivisten, die sich für die Aufklärung und Unterstützung von Missbrauchsopfern einsetzen.

https://www.arte.tv/de/videos/104423-000-A/schweigen-und-vertuschen/